J.Peregrin

(Johannes Jureczka)

 

Die Kreuzkirche

in Groß-Peterwitz

( bei Ratibor )

Aus dem Mährischen übersetzt,

mit einem Vorwort und Anmerkungen

versehen von

 

Paul J. Newerla

 

Oficyna «Nowa»

Racibórz 1992                                                                

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Übersetzers.............................. 3

Die Kreuzkirche...............................................6

Die Entstehung der Kreuzkirche ........7

Zahlreiche Wunder...........................10

Der Brunnen..................................... 13

Die Kreuzkirche.................................14

Die vollkommenen Ablässe...............15

Anmerkungen des Übersetzers....................18                

 

2


 

 

 

Vorwort des Übersetzers

Im Jahre 1992 wird die 325-Jahr-Feier des Erbauens der Kreuzkirche in Groß-Peterwitz begangen. Dieses Fest ist der Anlaß, das vorliegende Büchlein «Die Kreuzkirche in Groß-Peterwitz» herauszugeben. Dem Groß-Peterwitzer Pfarrer, Herrn Dechant Ludwig Dziech, als Initiator und großem Helfer dieses Vorhabens, möchte ich dabei einen besonders herzlichen Dank aussprechen.

Das Original dieses Büchleins ist das älteste gedruckte Schriftstück, das nur der Kreuzkirche gewidmet ist. Von anderen umfangreicheren und kurzen Hinweisen in verschiedenen Schriften abgesehen, möchte ich hier unbedingt auf die zweite Quelle, in der ausführlich über die Kreuzkirche berichtet wird, hinweisen, auf: «Hefte zur Heimatkunde - Groß-Peterwitz, Kr. Ratibor O/S. -Nr. 6- Die Kreuzkirche», Langen/Hessen 1981. Verfasser dieses wertvollen Werkes ist unser Groß-Peterwitzer Heimatfreund Paul Kletzka, der sich als Lokalhistoriker sehr verdient gemacht hat.

Das Original des den Lesern vorliegenden Büchleins wurde in mährischer Sprache geschrieben. Diese Sprache war bis in die vier­ziger Jahre im Erzbistum Olmütz innerhalb der Tschechoslowaki­schen Republik als Umgangssprache gebräuchlich. Die tschechi­schen Behörden, haben aber nach 1948 diese Sprache nicht gefördert. Den jüngeren Lesern müssen wir in Erinnerung bringen, daß Groß-Peterwitz, wie auch weitere Pfarreien auf der rechten Zinnaseite, zur Erzdiözese Olmütz gehörten. Erst seit dem 1. Sep­tember 1945 wurde Gr.-Peterwitz der «Apostolischen Administration «ad nutum Sanctae Sedis» in Oppeln» unterstellt. Die Diözese Oppeln ist am 28. Juni 1972 aufgrund der Apostolischen Konstitution «Episcoporum Poloniae» entstanden. Mitwirkung vom 1. Oktober 1990 wurde Groß-Peterwitz Sitz eines eigenständigen Dekanats zu dem folgende Pfarreien gehören: Borutin [Streitkirch], Gammau, Groß-Peterwitz, Janowitz   [Janken], Kranowitz [Kronstadt], Makau  

3                                                        

 

 

Pawlau [Paulsgrund], Preußisch-Krawarn, Schammerwitz [Schamrnerau] und Woinowitz  [Weihendorf].

«Das Mährische» war früher auch für viele Groß-Peterwitzer die Umgangssprache. Heute noch wird sie von älteren Leuten gespro­chen und viele Wörter sind in Groß-Peterwitz im allgemeinen Gebrauch, wie z.B.: cesta (Straße) oder cera  (Tochter).

Der als Verfasser angebene Name J. Peregrin ist ein Pseudonym für Johannes Jureczka, dem damaligen Pfarrer von Zauditz, das nur 4,5 km Luftlinie südlich von der Kreuzkirche entfernt liegt. Johannes Jureczka wurde 1863 in Huitschin geboren. Die Priesterweihe erhielt er 1891. Er war Dechant des Dekanats Huitschin, Konsistorialrat Johannes Jureczka wurde später Pfarrer in Deutsch-Krawarn (Kravace), wo er im Alter von 78 Jahren am 6. Februar 1941 starb. Pfarrer Johannes Jureczka war ein sehr schöpferischer Autor und gleichzeitig Redakteur der in Huitschin in mährischer Sprache herausgegebenen Zeitschrift «Katolicke Nowiny» (Katholische Nachrichten). Die An­schauungen und nationalen Sympathien von Pfarrer Jureczka waren deutlich mährisch. Das gleiche kann von dem damaligen Groß-Peterwitzer Pfarrer, Herrn Dechant Thomas Kamradek, gesagt werden.

Wann «Die Kreuzkirche in Groß-Peterwitz» herausgegeben wurde ist unbekannt. Der Autor beschreibt im Text zweimal Ereignisse aus dem Jahre 1901, wonach anzunehmen ist, daß das Büchlein 1901 oder 1902 herausgegeben wurde.

Das Original wurde von Karl Nawrath in Huitschin gedruckt und herausgegeben. Karl Nawrath war auch der Drucker der schon erwähnten «Katolicke Nowiny». Das Büchlein ist im A6-Format in un­bekannter Auflage gedruckt und umfaßt 32Seiten. Auf 19 Seiten ist die Geschichte der Kreuzkirche dargelegt; im weiteren Teil findet man die Litanei zum Hl. Kreuz, Gebete und Lieder zum Ht. Kreuz sowie Wallfahrtslieder.

Den Lesern wird die Übersetzung der Geschichte der Kreuzkirche von J. Peregrin angeboten. Wir halten das für wichtig, weil nur einige Exemplare des Originals erhalten geblieben sind. Außerdem sind heute die Kenntnisse der mährischen Sprache nicht sehr verbreitet. Der Frakturdruck (eine Art der gotischen oder deutschen Schrift) erschwert außerdem das Lesen.

Während des Übersetzens kamen mir viele Gedanken zu den dar­gestellten Geschehnissen und Personen. Ich hielt es deshalb für

                                   4                                                           

 

 

angebracht, dem Text Peregrins eigene Anmerkungen, auf die mit Ziffern in eckigen Klammern, z.B. [15], hingewiesen wird, hinzuzufügen. Der Leser findet sie im Anschluß an die Übersetzung.

Die Anmerkungen des Verfassers sind als Fußnoten auf den jeweiligen Seiten zu finden. Die Auszeichnungen im Text stammen vom Verfasser.

Initiator und Übersetzer haben die Hoffnung, daß dieses Büchlein von den Verehrern des Heiligen Kreuzes und des Groß-Peterwitzer Kreuzkirchleins gern gelesen wird.

Ratibor, im August 1992

Der Übersetzer


 

Die Lokomotive pfeift, es kreischen die Bremsen und schon steht der Zug am Bahnhof in Groß-Peterwitz. Schnell steige ich aus dem Eisenbahnwagen. Auf dem Bahnsteig erwartet mich ein hellblonder Herr in schwarzer Kleidung, mein guter Freund, um mich zum nahen Wallfahrtskirchlein «Zum Hl. Kreuz» zu führen, welches sowohl von unserem mährischen Volk [1] wie auch von den benachbarten Deutschen und Polen zweimal jährlich in großer Anzahl besucht wird, und zwar zu den Festen der Kreuzauffindung (am 3. Mai) und Kreuzerhöhung (am 14. September).

Nach gegenseitiger Begrüßung schreite ich an der Seite meines Freundes durch das Dorf. Groß-Peterwitz1) macht einen guten Ein­druck. Saubere, getünchte Häuschen stehen an der Straße entlang und bezeugen, daß die Groß-Peterwitzer Sinn für Sauberkeit und Schönheit ihres Dorfes haben. Außer der neuen Schule befinden sich irrt Ort eine Zuckerfabrik und eine Brauerei mit einer Malzfabrik. Insgesamt hat Groß-Peterwitz 2413 Einwohner und etwa 600 Häuser2)

[3]-

Bald hinter dem Dorf eröffnet sich unserem Blick das gesegnete mährische Land [4] mit seinen behaglichen Dörfern und in der Ferne schimmern blau die Hrabiner Höhen. Ich sehe Zauditz, Rohow, Kranowitz [Kranstädt], Bauerwitz [5], Schammerwitz [Schammerau], Ratsch, aber das Ziel unserer Wallfahrt - die Kreuzkirche - ist vor meinen neugierigen Augen noch immer verborgen. Umso größer ist meine Überraschung, als   ich nach einem viertelstündigen Marsch

 

1)         Was das alte Peterwitz betrifft, wird es schon 1267 erwähnt, als der Olmützer Bischof
Bruno (1245-1281) in seinem Testament die elf Mark Zinsen, welche die in Groß-Peterwitz
gekauften, elf Hufen [2] brachten, für. die Erhaltung der neu errichteten Altäre in Kremsier
vermachte.

2)         Im Jahre 1793 gab es in Peterwitz ein Dominium, ein Siechenhaus, 42 Bauern, 15
Gärtner, 58 Häusler, insgesamt 638   Einwohner. Im Jahre 1830 hatte Peterwitz 1410
Einwohner.


 

rechts am Fuß der Anhöhe im Schatten von Bäumen die altertümliche Holzkirche und links den Brunnen erblicke.

Eine Weile bleiben wir stehen, und ich begebe mich in Gedanken in die vergangenen Jahre und überlege, wann und aus welchem Anlaß die Kreuzkirche errichtet wurde. Der Freund meint, daß nach dem Äußeren zu urteilen die Kirche aus der Zeit nach Cyrill und Method stammen konnte. Es ist nämlich bekannt, daß nach der Auflösung des Bistums Velehrad im Jahre 906 sich die Schüler des hl. Method aus Furcht vor den wilden Madjaren nach allen Seiten Ver­streuten3) und den Giauben in den Nachbarländern verkündeten. Einige flüchteten auch nach Preußisch Schlesien [6], lehrten das Volk und bauten hölzerne Kirchen, von welchen einige bis in unsere Zeit erhalten sind4). Der größte Tei ldieser alten Kirchen hat auf dem Turm ein eisernes griechisches Kreuz mit zwei Querbalken.

Ich meine, daß der Freund recht hat.

«Die Kirche ist wirklich alt», sagt mein Freund, «aber sie stammt nicht aus der erwähnten Zeit. Soweit bekannt ist, wurde die Kreuzkirche im Jahre 1667 erbaut»5).

«Warum aber wurde sie hier in der Einöde im Feld erbaut?» frage ich weiter,

«Ja, das ist eine lange Geschichte, die nicht jeder erzählen kann», sagt mein Begleiter. «Setzen wir uns neben das blühende Ta­bakfeld6), und gern erzähle ich Ihnen über

                   die Entstehung der Kreuzkirche,

wie ich es von den Leuten gehört habe.» - Wir setzen uns, und der Freund beginnt so:

«Die jungen Leute in unserem Dorf können nicht viel über die

 

3) Der größte Teil ging mit den Priestern Klemenz und Sava nach Serbien und Bulgaren, wo sie als «Siebenheilige» bezeichnet wurden. Auch der Nachfolger des hl. Method, Bischof Gorasd, mußte fliehen.

4) So die Holzkirche in Mikultschütz in Oberschlesien.

5) Seit dieser Zeit bis heute waren nachstehend genannte Pfarrer in Peterwitz: Martin Mosler + 1669; Jak. Nachtigall (Filomene) - 1672; Johann Kollar + 1698; Johann Wirtil -1702; Michael Maltitzky - 1703; Tobias Duschek -1720; Wenzel Jedlitzka- 1728; Barthol. Pekarek aus Gr.-Peterwitz stammend - 1732; Jos. Kuklinsky - 1753; Kai! Scherwitz- 1754; Florian Schwab - 1761; Jak. Kolesa -1771; Johann Bartzaga -1796; Johann Rohowsky -1815; Matthäus Janotta - 1843; Karl Buron - 1878; Franz(!| Koschany - 1895; Thomas Kamradek [7],

6 Tabak wird In Oberschlesien nur in Stolzmütz, Makau und ein wenig in Peterwitz angebaut. Peterwitz ist hauptsächlich wegen des ausgezeichneten Weißkrauts [8] berühmt.


 

Anfänge der Kirche erzählen. Aber die Alten, die wissen viel; vor allem der verstorbene Kirchendiener Vitus Görlich, der war eine le­bendige Geschichte, Er erzählte oft, daß es über die Kreuzkirche Aufzeichnungen7) in alten Büchern in der Pfarrei gegeben habe, die er mit Pfarrer Janotta gelesen hatte. Es sei zwar etwas merkwürdig geschrieben gewesen, aber Görlich hat es wirklich gelesen und folgendermaßen erläutert:

Vor langer Zeite weideten die Peterwitzer Bauern ihre Pferde auf dem «Spolek» [10], der hier in der Nähe der Kreuzkirche liegt. Diese Felder werden in der Umgangssprache «Spolek» genannt, weil sie früher gemeinsam allen Einwohnern gehörten, jetzt aber sind sie unter den Bauern aufgeteilt [11], Wenn es auf den Feldern keine Arbeit gab, blieben die Hirten mit dem Vieh auf dem "Spolek» über Nacht. In einer Nacht sahen die Hirten ein merkwürdiges Licht an eben der Stelle, wo sich jetzt der Brunnen befindet. Früher war dort ein großer Sumpf.

 

Als die Hirten am nächsten Tage heimkamen und den Bauern von dem merkwürdigen Licht erzählten, gab man ihnen den Rat, sich nicht zu fürchten und das nachste. Mal zuzuschauen, was das für ein Licht sei. In der darauf folgenden Nacht sahen sie wieder jenes Licht. Mit Mut traten sie näher und fanden eine Quelle, in der sich eine zusam­mengerollte rohe Leinwand bewegte. Sie wollten zwar das Bünde! herausziehen, aber die Mühe war vergeblich, denn immer wieder entglitt es ihren Händen. Als die Peterwitzer Bürger am nächsten Tage davon erfuhren, strömten sie zahlreich herbei, um das Bündel herauszunehmen -aber es war vergebens. Letztendlich erzählten sie dem Peterwitzer Pfarrer 8) von der Begebenheit. Der ließ die Glocken läuten und begab sich mit Kirchenfahnen in einer Prozession unter Gesang von frommen Liedern zur angedeuteten Stelle. An der Quells kniete der Pfarrer nieder, und mit Hilfe des Kreuzes, das er in der Hand hielt, zog er das merkwürdige Bündel heraus. Als er die Leinwand aufrollte, fand er im Innern ein herrliches Bild des gekreuzigten

 

7) Einige behaupten, daß sie beim Brand der Pfarrei (das Jahr ist unbekannt) vernichtet wurden [9], andere wiederum, daß beim Tode von Pfarrer Janotta (+1854) Leute in die Pfarrei gekommen sind und jeder nahm, was er konnte. Viele Bücher sind damals verloren gegangen, höchtswahrscheinlich auch die Aufzeichnungen über die Kreuzkirche. Die Pfarrchronik stammt aus neueren Zeiten.

8) Es war Martin Mosler (+ 1669). 

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Heilands, welches sich jetzt in der Kreuzkirche auf dem Hauptal­tar befindet.

Die Peterwitzer Einwohner sahen im Auffinden des kostbaren Bildes ein Himmelszeichen und beschlossen, eine Kirche auf dem Hügel zu bauen, der sich rechts des «Spolek» befindet. Aber was sie tagsüber aufbauten, war in der Nacht zerstört und in das Tal gefegt, wo heute die Kirche steht. So wiederholte es sich einige Male. Danach begannen die Peterwitzer an der jetzigen Stelle zu bauen, und siehe da - das Kirchlein war bald aufgebaut9).

Nach der Legende, als sich niemand zum Bau der Kirche bereit­ fand, soll der Bauer Kaffka10) beschlossen haben, allein das Holz für den Bau zu fahren, ohne jemandem davon etwas zu sagen. Angeblich erst dann haben sich die Peterwitzer Bewohner aus einem inneren Zwang heraus dem Bauern angeschlossen, um auch Holz aus dem Walde anzufahren. Man sah darin den Willen Gottes um den Bau zu beginnen.

Am Anfang war die Kirche eine kleine Kapelle. Erst später, als Pilger kamen, wurde sie vergrößert. Zu Zeiten des Dechanten Janotta11) hatte sie schon das jetzige Aussehen.

Zur Amtszeit des Dechanten Janotta schlug während eines Gewit­ters ein Blitz in den Kirchturm ein, der auf den Altar stürzte und das Antlitz des Gekreuzigten auf dem Gnadenbild beschädigte. Der Dechant berief gelehrte Maler, aber keiner von ihnen brachte es fertig, das beschädigte Antlitz auszubessern. Endlich kam ein Maler aus weiten Landen, der das Bild zur Behebung des Schadens vom Altar herunternahm. Als er die Farben vorbereitete und überlegte, welche er zum Malen benutzen sollte, kam Dechant Janotta in die Kirche. Er näherte sich dem Bild und drückte seine Freude darüber aus, daß der Maler das Antlitz des Heilands so ausgezeichnet ausbesserte, daß nicht die kleinste   Narbe zu sehen ist. Der Maler

9)         Die «Schlesischen Kunstdenkmäler» behaupten, daß dies im Jahre 1743 geschah.
Höchstwahrscheinlich aber wurde damals die Kirche erweitert und nicht neu gebaut.

10)       Einige meinen, daß das Land, auf dem die Kirche steht, Kaffka gehörte. Der hat an
dieser Stelle angeblich ein eisernes Kreuz gefunden und den Acker für den Bau geschenkt,
was aber  unwahrscheinlich ist, weil damals der «Spolek» Eigentum aller Bewohner war.
Kaffka's Nachfahren leben noch, und man sagt jetzt «bei Mludek's» [12]. Derselbe Kaffka
stiftet im Jahre 1680 der Kirche eine Monstranz, worüber wir noch berichten werden.

11)       Matthäus Janotta, geb. 1768 in Wodka [Hochkretscham, Kr. Leobschütz], war ein
eifriger Priester, Ehren-Dechant, Schulinspektor des Dekanats Hultschin.

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wandte ein, daß er die Arbeit noch nicht begonnen habe und erst überlege, wie er die Renovierung durchführen wolle. Als der Herr Dechant ihn aufforderte, sich das Bild anzuschauen, welches so aussieht wie vor dem Blitzschlag, traute der Maler seinen Augen nicht, als er das schöne Antlitz des Heilands sah. Als der Maler dieses Wunder sah, fiel er auf die Knien und erklärte weinend, daß er nicht würdig gewesen sei, das Bild zu erneuern.

Wie ein Blitz verbreitete sich die Nachricht davon in den um­liegenden Dörfern. Von dieser Zeit an pilgerten die Leute noch zahlreicher zur Kreuzkirche und brachten großzügig Almosen für die Ausschmückung der Kirche. Die benachbarten Pfarreien waren wegen dieser Wallfahrten unzufrieden. Die Kreuzkirche sei doch nur eine gewöhnliche Feldkapelle; es wurden keine Ablässe erteilt12). Solche und andere Einwände wurden vorgebracht. Endlich wandten sie sich an den Erzbischof von Olmütz, die Wallfahrten zu verbieten. Dieser ordnete an, daß der Kommissar aus Katscher die Kirche von Amts wegen zu schließen habe.

An dem Tage, als das geschehen sollte, versammelten sich die Pe­terwitzer Einwohner in großer Zahl im Kreuzkirchlein, entschlossen, nicht von der Stelle zu weichen und nicht zuzulassen, daß die Kirche geschlossen würde. Die Kutsche des Herrn Kommissars näherte sich schon von Ratsch her über den «Spolek». Plötzlich hielten die Pferde an, bäumten sich auf und wollten nicht weiter. Der Herr Kommissar fragte den Kutscher, was denn los sei, und der antwortete: «Haben Sie nicht die ungeheure Schlange gesehen, die sich vor den Pferden aufbäumte und zischte?» Der Herr Kommissar ließ sofort die Pferde wenden und heimfahren, denn er sah darin Gottes Willen, die Kirche nicht zu schließen. Als das bekannt wurde, pilgerten die Leute in noch größerer Anzahl zur Kreuzkirche, und dies um so mehr, als dort

zahlreiche Wunder an Kranken

geschahen13).

Die Pilger kamen voll Vertrauen zur Quelle, wo das wundertätige Bild gefunden wurde, und viele Kranke, die sich mit dem Quellwasser

12)       Das war nicht wahr, denn wie wir erwähnen werden, sind vom Hl. Vater, Pius VI.,
im Jahre 1783 vollkommene Ablässe auf ewige Zeiten erteilt worden.

13)       Die genannten Begebenheiten habe ich selbst gehört und anderweitig erfahren,
weshalb sie glaubhaft sind,

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wuschen und anschließend in der Kirche vor dem   Bild beteten, wurden geheilt.

So brachte man zu Zeiten Pfarrer Janotta's14) aus Stolzmütz einen Mann, der an Krücken ging, und legte ihn vor den Altar in der Kreuzkirche. Noch bevor die hl. Messe für ihn beendet war, warf er die Krücken fort und war wunderbar geheilt. Der Küster Görlich und auch weitere Anwesende, waren Zeugen dieses Ereignisses. Der Geheilte hinterließ die Krücken als Andenken in der Kirche, wo sie noch heute gezeigt werden.

Frau D. aus Bauerwitz hatte einen zweijährigen Sohn, der fast nichts aß und sichtlich abmagerte. Aus Furcht, daß er sterben könnte, legte sie ein Gelübde ab, daß sie mit dem Kind zu Fuß zur Kreuzkirche pilgern würde, was sie im Jahre 1849 wirklich tat. Dort ließ sie für das Kind eine hl. Messe lesen, gab ihm Wasser aus der Quelle zu trinken und besuchte danach den Einsiedler [13], der dem Jungen einen großen Kuchen anbot. Der Junge aß mit solch einem Appetit, daß sich der dabei anwesende Pfarrer Buron [14] darüber wunderte. Seitdem ist der Junge gesund und lebt heute noch. Im Jahre 1875, ebenfalls zu Zeiten von Pfarrer Buron15), brachte die Agathe Newrzela aus Schammerwitz [Schammerau] ihren 14-jährigen blinden Sohn, dem kein Arzt in Breslau helfen konnte, zur Kreuzkirche. Sie führte ihn dreimal zur Kreuzkirche, stets am Freitag; an dem Tag wird dort auch eine hl. Messe gelesen. Als sie das erste Mal mit dem Jungen heimkehrte, sagte er, daß es vor seinen Augen hell sei, nach dem zweiten Mal konnte er schon etwas sehen, und beim dritten Mal war er völlig gesund.

 

Zu Zeiten desselben Pfarrers brach in Peterwitz der Typhus16) aus, an welchem viele Leute starben. Die Bewohner unternahmen eine Prozession zur Kreuzkirche, und die Erkrankungen hörten auf. Josefa Sliwka ausSchammerwitz [Schammerau] hatte einen Jungen, der oft epileptische Anfälle bekam. Sie pilgerte mit ihm des öfteren zur Kreuzkirche, ließ dort hl. Messen lesen, und die Krankheit verschwand. Der Sohn ist jetzt 38 Jahre alt.

14)       War 1815-43 Pfarrer in Groß-Peterwitz.

15)       Buron (1843-73), ein gebürtiger Hultschiner, 1809   geboren, war ein eifriger
Priester, den die Peterwitzer bis heute in lieber Erinnerung haben.

16)       Es war wohl im Jahre 1877, als nicht Typhus, sondern die Pocken herrschten, an
denen einige starben. Siehe «Pfarrchronik».

 

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 Zu Zeiten des Pfarrers Koschany17) [15] im Jahre 1891 herrschte sechs Wochen lang in der Erntezeit eine große Trockenheit Um Regen zu erbitten unternahmen die Bewohner des benachbarten Makau eine Prozession zur Kreuzkirche. Der Pfarrer Koschany hielt für die Wallfahrer eine Predigt und wünschte ihnen, daß sie tüchtig naß werden, bevor sie heimkämen. Siehe da, noch am gleichen Tag kam ein ergiebiger Regen.

Der damals in Peterwitz lebende siebzigjährige Proksch wohnte früher in Nassiedel und war schwer krank. Seine Tochter brachte ihm öfter in einer Flasche Wasser aus der Quelle bei der Kreuzkirche, und er wurde gesund, obwohl jeder sagte, daß er die Krankheit nicht überstehen würde.

Im Jahre 1892 fiel der Gertrud Walke aus Matzkirch ein Splitter ins Auge und sie hätte fast das Auge verloren, denn der Arzt konnte den Splitter nicht entfernen. Jemand brachte ihr Wasser von der Kreuzkirche, der Splitter kam heraus und die Schmerzen verschwan­den. Die Geheilte erzählte selbst über ihre Heilung der Karoline Klemenz18) [16].

Wie in früheren Zeiten geschehen Wunder bei der Kreuzkirche auch heute noch zur Zeit des jetzigen Pfarrers Thomas Kamradek19). Bedauerlicherweise vernachlässigen es die Leute, jede Heilung an die zuständige Stelle - ans Pfarramt - zu melden, was gewiß die Verehrung des Hl. Kreuzes und die Besucherzahl dieses Wallfahrtsortes erhöhen würde. Ich selbst kenne eine Person aus Pe­terwitz, Franziska P., die 1899 so gefährlich krank war, daß man jeden Augenblick den Tod erwartete. Der Arzt erklärte, daß keine Hoffnung auf Heilung bestehe. Da bat die Kranke, daß man ihr Wasser aus der Quelle bei der Kreuzkirche bringen und für sie eine Messe in der Kreuzkirche lesen solle. Und siehe da, P. trank das Wasser, und im Vertrauen auf den Gekreuzigten wurde sie von der gefährlichen Krankheit vollständig geheilt. Seitdem sind schon zwei Jahre vergangen.

17)       Koschany -1848-95.

18)       Über dieses Wunder berichteten die «Katolicke Nowiny» (Katholische Nachrichten)
[17] in der Nr. 39 im Jahre 1898.

19)       Thomas Kamradek, Dechant des Hultschiner Dekanats und   Pfarrer zu Groß-
Peterwitz, wurde 1846 in Groß-Hoschütz geboren.   Er war Kaplan in Hlutschin, danach
Professor am Gymnasium in Kremsier. Aus dem Ausland zurückgekehrt [18], war er Pfarrer
in Beneschau und wirkt seit 1895 in Groß-Peterwitz.

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P. erfreut sich bester Gesundheit und erzählt jedem, daß sie vom Hl. Kreuz geheilt wurde.

Josef Sichna aus Borutin [Streitkirch] hatte einen achtjährigen Sohn, der so verkrüppelt war, daß er weder stehen noch sitzen konnte. Man mußte ihn auf Händen von Ort zu Ort tragen. Im Jahre 1901 brachte man ihn zur Kreuzkirche, um Gottes Hilfe zu erbitten, und es wurde dort eine hl. Messe für den nächsten Freitag bestellt. Am Tage, an dem die hl. Messe gelesen wurde, rief der Junge zur Mutter, daß er schon allein sitzen und gehen könne. Er kann bis heute gehen und ist gesund.

Der jetzige Herr Dechant erzählt, daß vor einem oder zwei Jahren die Pauline Pawlassek zu ihm kam und ihm berichtete, daß ihr Kind ganz mit Geschwüren übersäht war. Sie ließ eine hl. Messe bei der Kreuzkirche lesen, wusch das Kind mit von dort gebrachtem Wasser, und das Kind wurde gesund.

Ich könnte noch mehr wunderbar geheilte Personen nennen, aber das Angeführte soll ausreichen. Daß sich hier Wunder tatsächlich ereignet haben, das beweisen die Krücken hinter dem Altar, die dort von Kranken zur Erinnerung an ihre Heilung hängten. Es sind derer sechs.»

»Und ist es wirklich wahr, was Sie mir eben über die Erstehung der Kirche erzählten?» frage ich den Freund, der still geworden ist. «Aufzeichnungen gibt es darüber nicht», antwortet er, «auch die Pfarrchronik berichtet nichts darüber. Aber die Ereignisse von denen ich Ihnen erzählte, sind in mündlicher Überlieferung so verbreitet, daß sie glaubhaft sind.»

Wir erheben uns. Dann schreiten wir die Anhöhe hinab, um nach einer Weile links von der Straße zur Quelle zu kommen.

Der Brunnen

war dank der Sorge des Herrn Dechanten Kamradek im Jahre 1899 [19] gut ausgemauert und mit einem Gitter zugedeckt worden [20], damit Kinder nicht hineinfallen konnten. Seine Tiefe beträgt sechs Meter. Über der Quelle erhebt sich eine neugotische Kapelle, aus Ziegeln erbaut und mit Schiefer gedeckt. Im Innern sehen wir an der Wand ein Gemälde, das den Herrn Jesus und die Samaritanerin am Jakobsbrunnen darstellt. Alles ist nach einer  Idee und Plänen des

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Baumeisters Seyfried20) aus Krawarn [21] erbaut. Die Kosten be­trugen 3500 Mark. Vor der Kapelle wurde 1901 ein Steinkreuz errichtet, daß von Jak. Pientka und seiner Frau gestiftet und vom jetzigen hochwürdigen Kaplan Josef Kaschny21) [22] geweiht wurde. Nachdem wir uns mit dem guten Wasser22), das schon vielen zur Gesundheit verholten hat, erfrischt haben, schreite ich an der Seite meines Begleiters, zur

Kreuzkirche,23)

die auf der anderen Straßenseite steht. Die Kirche ist ganz aus Holz und hat die Form eines gedrängten Achtecks. Über dem Chorraum ist ein kleiner Turm, ebenfalls aus Holz, mit einer kleinen Glocke.

Die Kirche ist mit einem breiten, aber nicht schönen Vordach umgeben, unter dem sich eine Kanzel und einige nicht bemalte Beichtstühle befinden, damit jeder sein Gewissen in Ordnung brin­gen kann. Um die Kirche, auf dem ehemaligen Friedhof [23], sind vierzehn hölzerne Kreuze aufgestellt, an welchen zu Festtagen Bilder des Kreuzweges aufgehängt werden, die 1889 vom Maler Berz aus München gemalt wurden; die Kosten betrugen 600 Mark. Die Witwe des J. Pernikarz aus Dirschel, der aus Peterwitz stammte, stiftete 150 Mark für die Erhaltung der Bilder.

Wir betreten die Kirche, die wenig über 100 Menschen aufnehmen kann. Auf dem Hauptaltar hat das erwähnte wundertätige Bild des Gekreuzigten24) seinen Platz. Die zwei Seitenaltäre sind der Rosenkranzkönigin bzw. der hl. Anna geweiht.

In der Mitte der Kirche hängt ein schöner Kronleuchter mit vielen geschliffenen Glasprismen, den die Verehrerin des Heiligen Kreuzes und Gönnerin, die verstorbene Gräfin von  Gaschin aus Polnisch- Krawam[24],

20) Die neugotische Kirche in Krawarn ist auch ein Werk dieses begabten Mannes.

21)       Josef Kaschny wurde 1869 in Köberwitz geboren. Er war Kaplan in Beneschau,
Hultschin und wirkt seit 1899 eifrig in Peterwitz.

22)       Am Brunnen hängt ein Gefäß, damit man das Wasser mit   den Händen nicht
verunreinigt.

23)       Dr. Gregor Wolny schreibt in seinem Werk: «Kirchliche Topographie von Mähren»
über die Kirche Folgendes: «Die    Wallfahrtskirche zum Hl.  Kreuz wurde samt dem
Holztürmchen (eine Glocke) und der kleinen Sakristei um 1667 mit Hilfe milder Gaben aus
Holz erbaut Es sind in ihr drei Altäre die ebenfalls   Wohltäter gespendet haben.» Weiter
erwähnt er die Ablässe, die wir noch "nachweisen werden.

24)       Der Tischler Kotterba erzählt, daß das Bild des Gekreuzigten mit drei Glasteilen
verglast war. Zur Zeit des   Pfarrers Buron wurden die Stücke durch eine ganze Scheibe
ersetzt.

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neben einem schönen Meßgewand gespendet hat. Sie besuchte oft diese Kirche, ließ dort Messen lesen und machte eine Stiftung.

Außer dem schönen Meßgewand gehören zum Inventar der Kirche: zwei silberne Kelche, ein silbernes Ziborium [25] sowie eine Monstranz aus Messing aus dem Jahre 1680 mit kunstvoll verzierter Basis, ein Geschenk des Bauern Kaffka [26]. Im Jahre 1891 wurde die Monstranz in Breslau für 80 Mark vergoldet.

Zu beiden Seiten des Hauptaltares sind silberne Votivgaben25) [27] und hinter dem Altar die schon erwähnten sechs Krücken zu sehen.

Auf dem Querbalken, welcher den Chorraum vom Hauptschiff trennt und den Blick auf den Altar behindert, sind

die vollkommenen Ablässe26)

in mährischer, deutscher und lateinischer Sprache so verkündet:
«Zur Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung vollkommene Ablässe
erteilt, erwirkt von Pfarrer Josef Kotrba. 1783
» [30]. Über diese
Ablässe ist Folgendes in der Pfarrchronik zu lesen: «Pater Anselmus
Kotterba, der aus der Schehoschekwirtschaft stammte, war Provinzial
in Krakau. Er unternahm eine Reise nach Rom und erwirkte beim Hl.
Vater Ablässe für die Kreuzkirche. Seit der Zeit, seit dem 7. Februar
1873 [31], als in Rom die vollkommenen Ablässe zu den Festen
Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung
bewilligt wurden, werden hier
alljährlich 27) an diesen zwei Tagen Gottesdienste gehalten, die von
vielen Pilgern besucht werden; im Sommer werden bei schönem
Wetter jeden Freitag hl. Messen gelesen, wenn in Peterwitz zwei
Priester sind.» 

25) Es sind gewölbte Bilder aus Silber oder Zinn. Acht Bilder stellen eine kniende Person dar, meist vor dem Kreuz; auf einem ist die Aufschrift: «ex voto (zum Gelübde) 1771»; außerdem sind zwei Bilder mit einem gewölbten Herzen dabei auf einem die Inschrift «A ß. 1765»; außerdem drei Augen; weiter zwei Wickelkinder-auf der Rückseite des einen ist die Inschrift «1751 (Ma)gdalena (Schi)mschin»; ferner das Bildnis eines Geistlichen, darunter die Aufschrift: «Thomas Cleri 1730» [28]; schließlich eine siebengliedrige silberne Kette mit zwei Kreuzchen und einer im Jahre 1814 geprägten 20-Kopeken-Münze [29]. Wahrschein­lich hat sie irgendein russischer Soldat zurückgelassen, der gegen Kaiser Napoleon I. zog.

26) Ursprünglich war die Aufschrift nur lateinisch. Der Einsiedler (Kirchendiener) Aug. Schön schrieb zu beiden Seiten dasselbe in mährischer und deutscher Sprache dazu.

27) Nur im Jahre 1892 haben die Wallfahrtsfeierlichkeiten am Fest Kreuzerhöhung wegen der Choleragefahr in der Peterwitzer Pfarrkirche stattgefunden. In mährischer Sprache predigte damals der Bauerwitzer Kaplan, der heutige Dechant von Hultschin, Hugo Stanke; deutsch predigte Pfarrer Fiedler aus Pawlau [Paulsgrund].

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Zu den genannten Festtagen kommen zwei bis drei tausend Pilger. Die mährischen Prozessionen kommen aus Schepankowitz, Kranowitz [Kranstädt], Borutin [Streitkirch], Rohow und Odersch, die deutschen aus Ratibor, Dirschel und Thröm. Am meisten jedoch war die Kreuzkirche im Jahre 1867 besucht, als die 200-Jahr-Feier des Bestehens dieser Kirche begangen wurde. Die Chronik schreibt darüber so: «Im Jahre 1867 wurde die 200-Jahr-Feier des Bestehens des Kreuzkirchleins begangen. Anwesend waren 25 Priester und. tausende fromme Pilger der mährischen, deutschen und polnischen Sprache. Nach der Frühmesse predigte der Lokalist Rother28) aus Buslawitz [32], ein guter Redner, für das mährische Volk in verständlicher und fesselnder Form zum Thema: «Das Kreuz ist unsere Last, aber auch unser Trost». Deutsch predigte Schulinspek­tor Strzybny [33], der Pfarrer von Altendorf, zum Thema: «Das Kreuz ist unsere Ehre, Lehre und Wehre». Das Hochamt zelebrierte Herr Pfarrer Buron assistiert von den hochwürdigen Kaplänen Kluger 29) [34] und Tonk30) [35], die beide aus Peterwitz stammten.»

Das Innere der Kreuzkirche, in der noch vor kurzem außer den Ein­siedlern31) Frau Theresie Bernatzki für vorbildliche Sauberkeit sorgte, lädt mit seiner Einfachheit und dem ehrwürdigen Alter zum innigen Gebet ein. Nach dem Gebet verlasse ich mit gerührtem Herzen und ungern das kleine Gotteshaus.

Als ich zum Bahnhof zurückkehre, um mit dem nächsten Zug nach Hause zu fahren, macht mich mein Freund darauf aufmerksam, daß das jetzige Kirchlein abgerissen und an seinen Platz eine neue Kirche gebaut werden soll, die sehr erforderlich ist [36]. Zu diesem Zweck wurden auf Initiative des Herrn Dechanten Kamradek Kollekten gehalten, die bisher 25.000 Mark [37] einbrachten und zum größten Teil Spenden der Peterwitzer Bevölkerung sind.

Ich bin auch der Meinung, daß eine neue Kirche notwendig ist, aber vielleicht könnte sie daneben gebaut werden, ohne die jetzige Stätte anzutasten. Die Peterwitzer Bevölkerung ist doch mit diesem

28) Johann Rother starb am 29. August 1893 in Buslawitz; Pfarrer Koschany widmete ihm beim nächsten Fest Kreuzerhöhung von der Kanzel einen herzlichen Nachruf.

29)       Jetzt Pfarrer in Bauerwitz.

30)       Starb als Pfarrer in Gammau.

31)       Die bekanntesten Einsiedler waren: Aug. Schön, Ficek (+1900) und der jetzige
Jos. Kotterba; er stammt aus der Verwandtschaft des erwähnten Provinzials Pater Kotterba.

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Ort fest verwachsen, so daß der Abriß der Kirche viele Tränen und Schmerz hervorrufen würde. Wir sollten den Leuten nicht das nehmen, an dem sie mit Leib und Seele hängen!

Unbedingt möchten wir hier noch einen Ausschnitt aus einer inte­ressanten Zuschrift eines Peterwitzers einfügen, der einen Ablaß bei der Kreuzkirche so beschreibt: «Am Nachmittag vor dem Wallfahrtsfest um fünf Uhr geht eine Prozession der Peterwitzer Bevölkerung zur Kreuzkirche; die Jünglinge und Jungfrauen der Marianischen Kongegration tragen Heiligenbilder. Viele gehen dort zur Beichte, danach ist eine Segensandacht. Am nächsten Tag, dem eigentlichen Festtag, an dem viele Pilger kommen, sind früh stille Messen. Um halb acht wird auf dem Friedhof32) um die Kirche herum der Kreuzweg gehalten. Dann sind eine mährische und anschließend eine deutsche Predigt Vom frühen Morgen bis zu dieser Zeit nehmen zwölf Priester, die mit besonderen Vollmachten ausgestattet sind, Beichten ab. Nach dem Hochamt wird um die Kirche eine Prozession mit dem Allerheiligsten abgehalten. Nachmittag um vier Uhr ist eine feierliche Vesperandacht, und danach gehen die Peterwitzer, wieder in einer Prozession, zurück zur Peterwitzer Pfarrkirche. Auch an den Dienstagen nach Ostern und Pfingsten, wie auch am St.Urban-Tag (25. Mai) gehen die Peterwitzer Bewohner in einer Prozession zur Kreuzkirche, wo feierliche hl. Messen gelesen werden.

Die Jünglinge der Marianischen Kongregation haben jeden zweiten Sonntag am Nachmittag nach einer Andacht bei der Kreuzkirche ihre Versammlungen.»

32) Im Jahre 1881 wurde eine Chaussee von Groß-Peterwitz nach Ratsch vermessen die mitten durch den Friedhof gehen sollte. Der damalige Kaplan [38] Fr. Koschany reichte ein Gesuch an den Herrn Landrat Pohl [39] ein. Dieser willigte ein, die Straße neben dem Kirchhof vorbeizuführen. Das kostete die Peterwitzer 600 Mark, weil zu diesem Zweck das benachbarte Haus Glogowski gekauft und abgerissen werden mußte. - Im Juni 1830 wütete in Peterwitz die Cholera; es starben fünf Menschen, die auf diesem Friedhof begraben wurden [40].

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Anmerkungen des Übersetzers

 

[1] Der Verfasser dieses Büchleins war von Geburt und Überzeugung ein Mähre. Es ist richtig, daß zu seiner Zeit von den Peterwitzern das Mährische überwiegend als Umgangssprache gebraucht wurde was u.a. dem damaligen Pfarrer, dem Dechanten Thomas Kamradek, auch einem überzeugten Mähren, zu verdanken war. Um nicht zu weit zurückzugreifen, sei hier gesagt, daß während der Volkszählung am 1. Dezember 1910 in Groß-Peterwitz 2815 Einwohner anwesend waren, die ihre Muttersprache wie folgt angegeben haben:

deutsch-507 (18%),

polnisch-502 (18%),

eine andere Sprache (eben mährisch) -1713 (61 % [!]),

deutsch und eine andere Sprache - 93 (3 %). (vgl.: Gemeindelexikon für die Regierungsbezirke Allenstein ... und Oppeln -... bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Lan­desamte- Heft VI - Regierungsbezirk Oppeln; Berlin 1912).

Während der Volksabstimmung am 20 März 1921, die aufgrund des Versailler Vertrages durchgeführt wurde, haben die 1832 stimmberechtigten Peterwitzer 55 Stimmen für Polen und 1772 (96,7%) für Deutschland abgegeben. Der damalige tschechische Konsul in Oppeln Julij Porizek verlangte, daß auch für Mähren abges­timmt werden sollte (bis 1938 hatte Mähren in der Tschechoslowa­kischen Republik eine begrenzte Autonomie). Es ist nur zu vermuten, daß das Ergebnis der Abstimmung in Peterwitz anders ausgefallen wäre, wenn man bedenkt, daß zu der Zeit Dechant Kamradek Pfarrer zu Groß-Peterwitz gewesen war.

[2] Hufe war ein magdeburgsches und preußisches Flächenmaß. 1 Hufe = 30 magdeburgsche (oder preußische) Morgen = 76597,63 m2. Ein preußischer Morgen hatte 2.553,21 m2. Der in Gr.-Peterwitz gebrauchte 'Morgen' (Juterko) wurde vom «neuen deutschen Morgen» abgeleitet und hat 2500 m2.

[3] Die angeführten Daten scheinen ungenau und im Bereich der Häuserzahl übertrieben zu sein. Nach der Volkszählung vom 2, Dezember 1895 - also einige Jahre bevor dieses Büchlein gedruckt wurde - waren in Gr.-Peterwitz schon 2.528 Einwohner, aber nur 296 bewohnte Wohnhäuser und neun bewohnte Gebäude (ein  Arrest-

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haus, ein Bahnhofsgebäude, drei Chausseezollhäuser, ein Fabrikgebäude, zwei Schulhäuser und ein Spritzenhaus). Nach Aufzeichnungen waren in Gr.-Peterwitz (in den jetzigen Dorfgrenzen):

um 1765 - 64 Bauern, 38 Gärtner und 82 Häusler;

1784 - 63 Bauern, 25 Gärtner und 82 Häusler;

1804 - 63 Bauern, 25 Gärtner und 82 Häusler (nach dieser Quelle gab es also binnen 20 Jahren kein Änderungen!);

1831 -1111 Einwohner, und nach einer anderen Quelle wurden im selben Jahre 223 bebaute Grundstücke und 1364 Seelen gezählt;

1845 - 304 Häuser und 1714 Einwohner;

1855-1688 und

1861 -1853 Einwohner;

am 3.12.1867 -1681 Einwohner;

am 1.12.1871 - zählte man 321 Wohngebäude mit 62 Einzel- und 430 Familienhaushaltungen, von den 2095 Bewohnern waren 948 männlichen und 1147 (55 %) weiblichen Geschlechts; 1689 (81%) waren ortsgebürtig; zwei der Bewohner waren nichtpreußischer Staatsangehörigkeit; 18 der Einwohner waren evangelischer und vier  - jüdischer Religion; es gab 637 Kinder unter 10 Jahren alt; von der älteren (über 10 Jahre) Bevölkerung konnten 1220 lesen und schreiben, vier gaben ihre Schulausbildung nicht an und 234 (11 %) waren Analphabeten; es gab einen Blinden, 5 Taubstumme und 2 'Blöd- und Irrsinnige';

am 1.12.1885-2444;

am 2.12.1895 - 2528 Einwohner;

am 1.12.1910 - zählte man 356 bewohnte Wohnhäuser mit 93 Einzel- und 525 Familienhaushaltungen (in einem Haus wohnten also im Durschnitt 1,7 Familien); von den 2815 Ortsanwesenden waren 1290 männlichen und 1525 (54 %) weiblichen Geschlechts; (Angaben über die Muttersprache siehe Anmerkung [1]); evangelische gab es 34 zwischen der deutsch- und einen zwischen der polnischsprech­enden Bevölkerung, andere Religionen kommen nicht vor;

1937-3152 und

am 31.12.1991 - 2.342 Einwohner.

[4] Es ist fraglich, ob Gr.-Peterwitz und die Umgebung «mährisches Land» genannt werden können. Aus. politischer Sicht gehörte Groß-Peterwitz früher zum Fürstentum Troppau. Im Jahre 1377  wurde   aus   einem   Teil   dessen   ein   neues  Schlesisches

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Fürstentum Jägerndorf (Principatus Silesiae Karnoviensis) gebildet. Ein Teil von Peterwitz (mit dem Gebiet, wo die Kreuzkirche entstand) gehörte zu diesem Fürstentum Jägerndorf. Der Rest von Peterwitz gehörte mit Katscher, Knispel und Stolzmütz zu Mähren. Aber schon 1742 ist ganz Groß-Peterwitz und seine Umgebung ins Königreich Preußen und später (1871) ins Deutsche Reich eingegliedert worden.

[5] Es ist unwahrscheinlich, daß man von irgendeinem Punkt in der Nähe der Kreuzkirche Bauerwitz erblicken konnte.

[6] Es geht um den Teil von Schlesien, der infolge des I. Schlesischen Krieges zwischen Preußen und Österreich nach dem Breslauer Frieden (1742) preußisch wurde.

[7] Neuere Nachforschungen von Paul Kletzka (Hefte zur Heimatkunde: Groß-Peterwitz, Kreis Ratibor O/S. -Nr. 5- Die Kirche im Dorf, Langen 1983) wie auch vom Übersetzer ergaben, daß in Gr.-Peterwitz folgende Pfarrer tätig waren:

Simon - gegen 1585, 1587 noch erwähnt;

Johann Konstantin -1589(?) -1595;

Blasius -J 596, wird 1606 noch erwähnt;

Johann Cebena - erwähnt 1612;

Jakobus Scepanowski - September 1615, 1617 noch erwähnt;

Andreas Franziskus Beim - erwähnt 1652;

Martin Mosler -1653(?) -1669;

Jakob Nachtigal (Philomela) - 05.08.1669 -1672;

Johann Ignaz Kollar - 29.09.1672 -1698;

Johann Wirtil (Wrtyl) - 09.06.1698 -1702;

Michael Maltitzky (Malticky) -1702 -1703;

Tobias Ferdinand Duchek - 31.03.1703 -1720;

Wenzel Gedliczka -21.01.1721 - + 03.02.1728;

Bartholomäus Petzarek -16.03.1728 - + 08.06.1732;

Josef Ernst Kuklinsky - 26.06.1732 - X.1752;

Karl Johann Scherwitz -16.04.1753 - + 05.12.1753;

Florian Schwab-15.03.1754 - V. 1760;

Jakob Kolessa - VIII.1760- + 17.08.1779;

Aleksander Lerch (Administrator) - IX.1779 - V.1780;

Johann Barcziaga - VI.1780- + 01.08.1797;

Modestus Kafka (Administrator) -1796(?) -1797(7);

Johann Rohowsky - 02.1798 - + 16.02.1815;

Valentin Manderla (Administrator) -V.1815 -VI. 1815; 25

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Matthäus Janotta-VI. 1815- + 04.01.1843;

Karl Buron -14.02.1843 - + 22.11.1878;

Josef Koschany (Oktober - November 1886 -Administrator) ,XI.1886-+13.01.1895;

Josef Wollny (Administrator) -1.1895 -V.1895;

Thomas Kamradek - 26.05.1895 - + 15.07.1922;

Heinrich Weidler - (Juli - September 1922 - Administrator), IX.1922-VI.1954;

Josef Golobowski - VII.1954 - 1.1964;

Ludwig Dziech -16.02.1964 - weiterhin im Amt

[8] Für den heutigen Leser scheinen diese Informationen un­wahrscheinlich zu sein. Sie sind aber wahr. Kraut wurde z.B. auf den «Parzellen» (kleine Feldstücke, die infolge der Aufteilung des Ge­meindeackers entstanden sind und sich westlich der Kreuzkirche be­fanden) sowie auf dem Gelände östlich der Feldstraße nach Stolzmütz - «Podhosche» genannt - angebaut. Auf den alten Katas­terkarten wird dieses Gebiet mit «Krautfelder» bezeichnet, was auf einen umfangreichen Krautanbau hinweist.

[9] Informationen über einen Brand der Pfarrei scheinen wenig wahrscheinlich zu sein, obwohl sie von den Lokalhistorikern, die über Gr.-Peterwitz schreiben, wiederholt werden, z.B. von Alfons Newerla in seiner «Dorf- und Familienchronik «Newerla» aus Groß-Peterwitz, O/S.», Breslau 1940, oder von Paul Kletzka (auf S. 39 des in der Anmerkung [7] genannten Heftes). Die Verfasser bringen Daten über das Dorf und seine Bewohner seit dem Jahre 1717 und behaupten, daß es die früheren Pfarrbücher nicht gäbe, da sie während eines Brandes des Pfarrhauses vernichtet worden seien.

Es ist dem Übersetzer gelungen eine Notiz zu entdecken, die im gemeinsamen Tauf-, Trauungs- und Sterbe Register zu finden ist, wel­ches am 1. Januar 1717 begonnen wurde. Dieses Buch befindet sich im Pfarramt. Der Vermerk ist mährisch und hat folgenden Wortlaut: «Matryka. Tato Nowa Matryka z Przicziny Nedostatku Papiruk pisani w Stare Matryce, Zalozena jest za Pana Patra Welebneho a [...] Eti Hodneho a Wysoce vczeneho Tobiasse Ferdinanda Düchek na ten Czas Pana Fararze Welko=Petrowickeho; kterazto we trzi vzakyyest uwedena, yedna pro Krztüw, Drüha pro Slibüw, a Trzeti, Mertwych zapisowani, Jakzto Roku 1717 Dne Perwniho Januarij.» Übersetzt lautet diese Notiz folgendermaßen '.»Dieses Buch wurde wegen Papiermangels

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in der alten Pfarrmatrikel zu Zeiten des Hochwürdigen Herrn Pfarrers wie auch würdigen und ehrwürdigen Tobias Ferdinand Düchek, damals Pfarrer in Groß-Peterwitz, angelegt und in drei Teile aufgeteilt, der erste, um die Taufen einzuschreiben, der zweite für Trauungen und der dritte für Beerdigungen. So geschehen im Jahre 1717 am ersten Januar.»

Die Behauptungen über das Verbrennen der alten Pfarrbücher sind also widerlegt. Bei den bisherigen Behauptungen sind Zweifel angebracht, weil das Pfarrbuch zum 1. Januar 1717 angelegt wurde. Wenn es einen Brand der Pfarrei gegeben hätte, wäre darüber gewiß eine Notiz gemacht worden. Auch in späterer Zeit (der erwähnte Pfarrer Janotta war 1815-1843 in Groß-Peterwitz) gab es keinen Brand des Pfarrhauses.

[10] «Spolek» ist eine Ortsbezeichnung für das Groß-Peterwitzer Allmende (gemeinsame Dorfweiden). Der Begriff ist mährisch und kann als «Gemeinsames» übersetzt werden.

[11] Die Aufteilung des gemeinsamen Eigentums wurde 1864 be­gonnen, aber wegen zahlreicher Streitfragen unter den Beteiligten erst 1872, acht Jahre später, beendet (vgl.: Archiwum Panstwowe Wroclaw <Staatsarchiv Breslau> - Zespol Komisji Generalnej Rejencji Opolskiej < General-Kommission der Königlichen Regierung in Oppeln> Nr. 111/16565: «Auseinandersetzungs-Plan über Teilung der Spolek-Hutung in Gr.-Peterwitz»).

[12] Diese Anmerkung ist unzuverlässig. Als Johann Jureczka dieses Büchlein schrieb, wohnten auf der erwähnten Hausstelle nicht Kaffka's Nachfahren. Nachdem Grundbuch Groß-Peterwitz- Dorf, Nr. 33 (kleine Dorfseite No. 218,219) kaufte diese Stelle Anton Dirschlag am 21. Dezember 1755 von Lorenz Kurdas. Im Jahre 1761 gehörte die Wirtschaft dem Jon Pieczarek. Die Familie Mludek ist im Besitz des Hofes seit dem 27. Mai 1782, als er von Paul Mludek gekauft wurde. Und man sagt nicht «bei Mludek's», sondern nach dem ersten Besitzer «bei Kurdas».

[13] Es gab wirklich eine Einsiedelei bei der Kreuzkirche. Leider ist es nicht möglich, diese genau zu lokalisieren. Eine Bestätigung ist im Sterbebuch des Pfarramtes unter dem 12. September 1826 zu finden: «Catharina Krawtzowa, 64 Jahre, ledige Dienstmagd, in der Einsiedelei bei der Kreuzkirche altershalber gestorben.»

[14] Karl Buron war von Mai 1835 bis März 1838 Kaplan in Groß-

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Peterwitz. Im Februar 1843 kehrte er nach Gr.-Peterwitz als Pfarrer zurück, wo er am 22. November 1878 starb.

[15] Josef Koschany wurde im September 1869 Kaplan in Gr.-Pe­terwitz. Sein Pfarrer Karl Buron (vgl.: Anmerkung [14]) starb am 22 November 1878. In der Historiographie des Deutschen Reiches wird dieser Zeitabschnitt mit «Kulturkampf» bezeichnet; es war auch ein Kampf mit der katholischen Kirche. Deswegen mußte Gr.-Peterwitz so lange auf einen neuen Pfarrer warten. Erst im Oktober 1886, nach 17-jähriger Seelsorgetätigkeit als Kaplan(i) und acht Jahre nach dem Tode seines Vorgängers, wurde Josef Koschany Pfarradministrator, und im November 1886 erhielt er die Berufung als Pfarrer. So endete der längste, geschichtlich bekannte Zeitabschnitt von acht Jahren, in dem Gr.-Peterwitz keinen Pfarrer hatte. Nach acht Jahren und drei Monaten im Dienst als Pfarrer starb Josef Koschany am 13. Januar 1895 in Gr.-Peterwitz.

[16] Das dargestellte Geschehen wurde in neuester Zeit bestätigt. Paul Kletzka zitiert in seinem «Heft zur Heimatkunde - Groß-Peterwitz, Kreis Ratibor O/S. - Nr. 6- Die Kreuzkirche», Langen 1981, S. 38, einen Brief der 86-jährigen Anna Klemenz vom 14. August 1979, deren Vater aus Gr.-Peterwitz stammte und Inspektor im Dominium in Matzkirch war (nach dem «Schlesischen Güter-Adreßbuch», Breslau 1912, S. 454, Nr. 3133, wird als Inspektor des Gutes Matzkirch Carl Klemenz angegeben). Frau Klemenz schreibt, daß die erkrankte Person Fräulein Walke gewesen war, deren Mutter Wirtschafterin des Pfarrers Hagen in Matzkirch war. Fräulein Walke flog eine Gersten­granne ins Auge, was sehr schmerzhaft war. Das Küchenmädchen Tina begab sich zur Kreuzkirche (etwa 15 km), um Wasser aus dem Brunnen zu holen. Mit diesem Wasser wurden Umschläge gemacht. Nach einigen Stunden Schlaf fand man die Granne auf dem Um­schlag.

[17] Die «Katolicke Nowiny» wurden von Pfarrer Johannes Jureczka herausgegeben, der unter dem Pseudonym J. Peregrin dieses Büchlein verfaßte.

[18] Thomas Kamradek wurde 1846 in Groß-Hostitz geboren. Dieser Ort gehörte mit dem gesamten 'Hultschiner Ländchen' seit 1742 zu Preußen. Das Hultschiner Ländchen wurde 1817 ein Teil des Kreises Ratibor (damals wurde auch Groß-Peterwitz aus dem Kreise Leobschütz dem Kreise Ratibor einverleibt). Als Professor am Gymnasium

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in Kremsier wohnte Kamradek in der Österreich-Ungarischen Monarchie. Nachdem Kamradek Pfarrer in Beneschau wurde, mußte er aus dem Ausland zurückkehren. Am 26. Mai 1895 wurde Thomas Kamradek Pfarrer in Groß-Peterwitz. Er war später auch Dechant des Dekanats Hultschin. Kamradek starb am 15. Juli 1922 und sein Grab befindet sich auf dem Gr.-Peterwitzer Kirchhof bei der Friedhofstraße.

[19] Die Brunnenkapelle war demnach das erste Bauvorhaben des Pfarrers Kamradek das kurz nach seiner Berufung nach Gr.-Peterwitz realisiert wurde. Dem Dechanten Kamradek haben wir auch das jetzige Pfarrhaus zu verdanken (vgl.: Anmerkung [37]).

[20] Später wurde der Brunnen mit einer Wasserpumpe versehen, wie sie früher üblich waren. In den sechziger Jahren wurde der Brunnen vollkommen zugedeckt und mit einem Tank ausgerüstet. Das Wasser fließt jetzt aus Hähnen. Der Behälter wird mit Hilfe einer Handpumpe mit Wasser gefüllt.

[21 ] Josef Seyfried, geboren 1865, "Baumeister des Oppalandes" genannt, starb 1923 in Krawarn. Das Städtchen hieß damals Deutsch-Krawarn, ist seit 1918 tschechisch und heißt jetzt Kravare.

[22] Josef Kaschny, 1869 in Köberwitz geboren, war von August 1899 bis Juli 1902 Kaplan in Groß-Peterwitz. Adolf Kaschny -1881 auch in Köberwitz geboren - der sehr für die Stadt verdiente Oberbürgermeister von Ratibor in den Jahren 1924-33, welcher von den Nationalsozialisten abgesetzt und nach dem Hitler-Attentat am 20. April 1944 verhaftet wurde, stammt aus derselben Familie.

[23] Anhand der Pfarrbücher kann man feststellen, daß Beer­digungen nicht nur auf dem Dorffriedhof, sondern auch bei der Kreuzkirche stattgefunden haben. Im Sterbebuch von 1831 finden wir ein «Besonderes Verzeichniß Als an der Cholera verstorbenen Per­sonen, die bei der Kreuzkirche begraben sind.» Dieses Verzeichnis umfaßt 5 Personen (nachstehende Angaben nach dem Original):

Franz Offik, 43 Jahre, beerdigt am 19.12.1831;

Simon Hennek, 6 Jahre;

Ludmilla Hennek, 1 Jahr 4 Monate;

Lucia, 8 Jahre - Kinder des verstorbenen Einlieger Johann
Hennek beerdigt am 28.12.1831;

5.         Johanna Hennek, Witwe, 36 Jahre, beerdigt am 30.12.1831
(binnen drei Tagen wurde höchstwahrscheinlich die ganze Familie -
Mutter und drei Kinder begraben).

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Am 3. Januar 1832 wurde bei der Kreuzkirche die Rosa, Eheweib des Johann Painczyk, beerdigt, die an Kolik starb.

Außerdem wurden im Jahre 1836 bei der Kreuzkirche weitere Per­sonen begraben, die an Cholera starben:

1.         Franziska Kotterba, Einliegerin, 36 Jahre, deren Mann in Polen
ist-29.10.1836;

2. Franz Zaruba, 54 Jahre, Häusler und Fleischer- 29.10.1836;

Magdalena, Eheweib des Häuslers und Auszüglers Lorenz
Kaffka, 68 Jahre - 31.1 Q. 1836;

Josepha, Eheweib des Jacob Suchanek, 34 Jahre -1.11.1836;

Johanna Przibilla, 52 Jahre, Häusler- und Auszügler-Witwe
nach Ignatz Przibylla - 3.11.1836;

Valentin Rußok, Einlieger, 46 Jahre -03.11.1836;

 

Magdalena Wieder, Eheweib des Bauer - Auszügler Modest
Wieder, 40 Jahre-7.11.1836;

Andreas Gawlitza, 70 Jahre, Spitalmann - 9.11.1836;

Modest Wieder, Bauer-Auszügler, 68 Jahre (Mann der Magda­lena-Nr. 7) -10.11.1836;

 

Gertrud Kotterba, früher verwittwete Willaschek, Häusler und
Auszügler Wittwe, 46 Jahre -10.11.1836;

Caspar Philippczik, int. Häusler, 30 Jahre -18.11.1836;

Victor Pernikars, Spital = Einwohner, lediger Knecht, 45 Jahre
-22.11.1836;

Marianna Ksionzka, Einlieger Witwe nach dem verstorb.
Mathes Ksionzka, 70 Jahre - 01.12.1836;

Lucia Ksionzka, led. Einliegerin, 38 Jahre, Tochter des ver­storbenen Mathes Ksionzka - 9.12.1836;

Marianna Marek, Häusler Auszügler, 65 Jahre, Witwe nach
verstorb. Kolonie Häusler Paul Marek-27.12.1836.

. Binnen zwei Monaten wurden bei der Kreuzkirche 15 Personen beerdigt, die infolge der Cholera starben. Das waren 20 % der Todesfälle des Jahres 1836 (damals wurden 70 Tote begraben, im Jahr davor nur 57, ein Jahr später 55).

Aus den vorliegenden Angaben ist ersichtlich, daß bei der Kreuzkirche insgesamt 21 Tote begraben worden sind.

[24] Das Dorf im Kreise Ratibor hieß Polnisch-Krawarn, später Preußisch-Krawarn, jetzt Krowiarki- im Gegensatz zu Deutsch-Krawarn im Hultschiner Ländchen, jetzt Kravare,

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[25] Ziborium ist ein abgedeckter Kelch, in dem Hostien aufbe­wahrt werden.

[26] Der Bauer Kaffka, der die Monstranz stiftete, war auch der, welcher mit der Holzanfuhr beim Bau der Kreuzkirche begonnen hatte (vgl: Anmerkung [12]).

[27] Diese Votivgaben sind 1945 alle abhanden gekommen.

[28] Es handelt sich nicht um einen Geistlichen, der in Gr.-Peterwitz amtierte. In diesen Jahren, wie auch später, gab es keinen Geistlichen mit diesem Vornamen.

[29] Kopeke - russische Münzeinheit: 1 Rubel = 100 Kopeken

[30] Das Zitat ist ungenau. Der Name Kotrba ist auf dem Quer­balken nicht zu finden. Es gab übrigens in Gr.-Peterwitz auch keinen Pfarrer mit diesem Namen. Ebenso ist das Datum ungenau. Es gibt nurdieZahl43. Der lateinischeText auf der Kartusche hat folgenden Wortlaut: «Indulgentia Pienariae in festis Inventionis et Exaltationis Sanctae Crucis - Pro Perpetuis Temporibus» (Vollkommene Ablässe zu den Festen der Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung - zu ewigen Zeiten).

Auf dem Querbalken des Presbyteriums befindet sich nachfol­gende mährische Aufschrift in schöner Frakturschrift ausgeführt: «Na Nalezenia Powyssenfswateho Krize - plnomocne Odpustkyudelene» Die deutsche Übersetzung, nachlässig ausgeführt, hat den Wortlaut: «Volkomener Ablaß zu ewigen Zeiten verliehen».

Außerdem gibt es noch eine Aufschrift, die bisher nicht überzeu­gend erläutert wurde:

«C I: V ROKV : 1.1 43 : FARARZE JOZEA»

Die Zahl 43 mit den Worten ROKU und FARARZE JOZEA scheinen die    Erweiterung der Kapelle zum Kirchlein 1743 durch Pfarrer (Fararze) Josef (JOZEA) Kuklinsky anzudeuten.

[31] Das Datum 1873 ist ein Druckfehler. Die vollkommenen Ablässe wurden vom Papst Pius VI. (Johann Angelo Braschi, 1775-1799) am 7. Februar 1783 erteilt.

[32] Buslawitz liegt im Hultschiner Ländchen - jetzt Bohuslavice in der Tschecho Slowakei.

[33] Wilhelm Strzybny wurde am 31.03.1825 im Schloß Ratibor geboren. Nachdem er das Ratiborer Gymnasium absolvierte, studier­te er Theologie in Breslau und Bonn. Die Priesterweihe erhielt er am 01.07.1849 und wurde Kaplan in Ratibor. Im März 1857 wurde er zum

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Schulinspektor berufen. Seit 1860 war er Pfarrer in Altendorf. Im Jahre 1877 wurde er Dechant und 1884 Erzbischöflicher Kommissarius. Prälat Wilhelm Strzybny starb am 25. September 1898 und ist auf dem Altendorfer Friedhof in der Koselerstraße begraben worden.

[34] Johann Chrysostom Kluger wurde am 27. Januar 1838 in Gr.-Peterwitz geboren, 1862 zum Priester geweiht und als Kaplan nach Putsch berufen. In den Jahren 1867-1870 war er Kaplan in Kranowitz (Kranstädt) und 1881-1893 in Bauerwitz. Im Jahre 1893 wurde Kluger Pfarrer in Bauerwitz. 1909 pensioniert, starb Kluger als Prälat des Päpstlichen Hauses am 22. Mai 1913 in Bauerwitz.

[35] Thomas Johannes Tonk ist am 11. Dezember 1837 in Gr.-Peterwitz geboren worden. Die Priesterweihe wurde ihm 1865 erteilt. Seine ersten Dienststellen konnten bisher nicht ermittelt werden. Am 24.3.1884 wurde er Pfarrer in Gammau. 1894 stiftete Tonk ein Kreuz im Dorf und 1897 eins auf dem Kirchhof und hinterließ der Kirche ein Meßgewand aus Goldbrokat, daß ihm die Pfarrgemeinde zum silber­nen Priesterjubiläum geschenkt hatte. Tonk starb am 2.7.1899 in Gammau und wurde auf dem dortigen Friedhof begraben. Die dankbare Pfarrgemeinde ließ ihm ein schönes Denkmal errichten. Die Universalerbin des Pfarrers - seine Schwester Theresia Tonk aus Groß-Peterwitz - hinterließ sein Sparbuch mit 3000 Mark um hl. Messen für den Verstorbenen zu lesen, den Rest sollte die Gemeinde übernehmen.

[36] Gott sei Dank, daß das Vorhaben, die Holzkirche abzureißen und eine neue Kreuzkirche (gewiß im neugotischen Stil) zu bauen, nicht durchgeführt wurde und die alte Holzkirche bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist.

[37] Anzunehmen ist, daß das für den Bau der neuen Kreuzkirche gesammelte Geld dazu benutzt wurde, im Jahre 1903 ein neues Pfarrhaus zu bauen, welches heute noch steht. Der Kostenaufwand betrug 29.000 Mark.

[38] Es ist darauf hinzuweisen, daß damals in Groß-Peterwitz kein Pfarrer war. Der bisherige - Karl Buron - verstarb im Jahre 1878. Kaplan Josef Koschany wurde 1886 zunächst Pfarradministrator und später Pfarrer zu Groß-Peterwitz (vgl.: Anmerkung [15]).

[39] Max Pohl war in den Jahren 1870-1900 Landrat des Kreises Ratibor.

[40] Auf dem Friedhof bei der Kreuzkirche wurden nicht fünf, sondern 21 Verstorbene begraben (vgl.: Anmerkung [23]).

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